Eine neue Arbeitszeitstudie kommt zu überraschenden Ergebnissen – es gibt einen neuen Rekord…

Weniger arbeiten, die berufliche Belastung reduzieren, mehr Zeit für die Familie oder andere Aktivitäten: Das wünschen sich laut einer aktuellen Umfrage bis zu 80 % der Beschäftigten. Die Vier-Tage-Woche ist eine der zentralen Forderungen der Gewerkschaften in den laufenden Tarifauseinandersetzungen. In einzelnen Industriebranchen wurden zuletzt bereits erfolgreich Tarifverträge geschlossen, durch die Beschäftigte zwischen Lohnerhöhung und Freizeit wählen können. Viele Unternehmen lehnen kürzere Arbeitszeiten wegen des sich immer weiter zuspitzenden Fachkräftemangels ab, drängen auf Mehrarbeit. Denn mit den geburtenstarken Jahrgängen der Baby-Boomer-Generation gehen in absehbarer Zeit Millionen Beschäftigte mehr in Rente als Berufsanfänger nachkommen. CDU und FDP wollen Überstunden deshalb steuerfrei stellen, um mehr statt weniger Arbeit attraktiv zu machen.

Wie steht es denn nun um die Arbeitszeiten der bundesdeutschen Arbeitnehmer*innen – arbeiten wir wirklich zu wenig? Und können wir uns eine (weitere) Arbeitszeitverkürzung im internationalen Vergleich überhaupt erlauben?

Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben gerade eine Arbeitszeitbilanz für 2023 vorgelegt – mit überraschendem Ergebnis.
Seit der Wiedervereinigung wurde in Deutschland noch nie so viel gearbeitet wie im vergangenen Jahr: 55 Milliarden Arbeitsstunden. Gleichzeitig ist seither die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Beschäftigten gesunken: Waren es 1991 noch 39 Stunden pro Woche, so sind es heute durchschnittlich nur 36,5 Stunden.
Zum neuen Arbeitszeitrekord trägt entscheidend bei, dass heute mehr Frauen erwerbstätig sind (73 % im Vergleich zu 57 % zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung). Rund jede zweite Arbeitnehmerin arbeitet in Teilzeit, obwohl (je nach Tätigkeit und Branche) zwischen 20 % und 30 % von ihnen gern ihre Stunden aufstocken würden. Ein Potenzial, das derzeit ungenutzt bleibt! Hierfür bräuchte es zuerst u. a. einen Ausbau der KITA-Betreuung, politische Reformen (z. B. des Ehegattensplittings) und eine gerechtere Aufgabenverteilung zwischen den Geschlechtern bei Haushalt und Kinderbetreuung (hier klafft immer noch eine Lücke von 20 Stunden pro Woche zwischen Müttern und Vätern).

Übrigens: Arbeitnehmer*innen verbringen heute zwar weniger Zeit im Betrieb, sind im Schnitt aber 25 % produktiver als noch vor 30 Jahren und erwirtschaften mehr.

Vier-Tage-Woche als Antwort auf den Fachkräftemangel?
Ob die Vier-Tage-Woche in der Wirtschaft ein Zukunftsmodell und die Antwort auf den Fachkräftemangel sein kann oder nicht, testen gerade mehr als 50 Unternehmen verschiedener Branchen aus ganz Deutschland. Seit dem 1. Februar 2024 läuft eine Studie der „Initiative 4 Day Week Global“, bei der die Unternehmen für ein halbes Jahr die Arbeitszeit von fünf auf vier Tage reduzieren – bei vollem Lohnausgleich. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse und werden berichten.

Wie man mit guten Arbeitsbedingungen Personal halten und Anreize schaffen kann, um neue Fachkräfte zu gewinnen, welche finanziellen Mittel der Agentur für Arbeit und staatliche Förderprogramme es gibt und welche Rechte und Handlungsmöglichkeiten der Betriebsrat hierbei hat, erfährst du in unserem Seminar:

Demografischer Wandel und alternde Belegschaften 1: Dem Fachkräftemangel offensiv begegnen vom 24. – 28. Juni 2024 in Timmendorfer Strand/Ostsee

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